Rückblick auf das Jahr 2010

Ende November2010 ging vielerorts durch die Medien, daß der Haushaltsausschuß des Bundestages die Kyritz-Ruppiner Heide dem Nationalen Naturerbe zuordnen will.

Das hat in die aktuelle Diskussion zur Nachnutzung des Geländes erheblich Bewegung gebracht. 

Doch zuvor ein kurzer Rückblick.

Zum 1. Jahrestag des Verzichts auf da Bombodrom trafen wir uns am gleichen Ort wie vergangenes Jahr.

Der 9. Juli 10 war ein sehr heißer Sommertag, aber ein harter Kern ließ es sich nicht nehmen, diesen denkwürdigen Tag in Fretzdorf zu begehen – mit geistlicher Besinnung von Dr. Ellen Überschaer, der Vorstellung eines Triptychons zur FREIen HEIDe von Wolfgang Dicks, der Einweihung des Friedensengels von Jan Kropius-Witte  vor der Fretzdorfer Kirche und - trotz 35 Grad C. - einem besonderen Konzert des Potsdamer Montagsorchesters. 

Über den Sommer war in der Kirche Zühlen eine Fotoausstellung von der Freuden-feier am 12. Juli 09 in Sewekow zu sehen. Diese wurde durch drei sehr unter-schiedliche und schöne Konzerte begleitet: Zur Einweihung spielten Musikschüle-rinnen aus Ostprignitz-Ruppin, in der Mitte der Zeit ein Akkordeonkonzert von Cathrin Pfeifer, welche auch in Sewekow musizierte, die Finissage gestaltete die Gruppe Soul Unlimited. Zu der Ausstellung wie auch zu den Konzerten konnten wir viele Touristen begrüßen.

Die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Kyritz-Ruppiner Heide (KAG) führte inzwischen sechs Sitzungen durch. Nach ersten notwendigen Koordinationsar-beiten verschaffte sich die KAG einen Überblick über den jeweiligen Planungs-stand der Anliegerkommunen sowie deren touristischen Vorstellungen für die Heide und die angrenzenden Gebiete. Weiterhin wurden Möglichkeiten der Heide-erhaltung sondiert, über Erwartungen von Naturschutz-verbänden unterrichtet, notwendige Kontakte zur Brandenburger Landesregierung und dem Landtag auf-genommen. Letzterer forderte einen schnellen Masterplan, der zwar für Schlagzeilen sorgte, aber wegen der in vielerlei Fragen offenen Situation in Kürze nicht zu erstellen war. (Website der KAG : www.kyritz-ruppiner-heide.de)

Sehr wichtig waren die Kontakte zur BIMA (Bundesanstalt für Immobilien), die nach dem Sommer intensiver wurden. Die BIMA wird die Liegenschaft für den Bund übernehmen, wenn die Bundeswehr endgültig abgezogen sein wird, ist aber schon jetzt recht aktiv.

Bei einer Konversionsveranstaltung im September waren neben Landesvertretern so auch etliche Angestellte der BIMA zugegen, um ihre Sicht und Vorstellungen zu erläutern.

Im Herbst hat sich in Potsdam ein Lenkungsausschuß zur weiteren Entwicklung der Kyritz-Ruppiner Heide gegründet, der sich aus Vertretern der Staatskanzlei Brandenburg und der BIMA zusammensetzt. Der Vorsitzende der KAG, Landrat i.R. Christian Gilde, besitzt in diesem Gremium einen Gaststatus.

Dieser Ausschuß hat beschlossen, fünf Unterausschüsse zur weiteren Koordi-nierung der Arbeit zu bilden. Einen für Sicherheit und Ordnung, einen für Natur-schutz, Entwicklung und Wildtiermanagement, einen für Tourismus und wirtschaftliche Nutzung – diese drei sollen sehr schnell gegründet werden. Im Anschluß sind dann noch geplant, Unterausschüsse für regionale Interessen, Behörden und Verbände und für Kommunikation und Öffentlichkeit zu bilden.

In diesen fünf Ausschüssen will die BIMA mit Mitarbeitern aus den Kreis- und Kommunalverwaltungen eng zusammenarbeiten. Grundlage für alle Arbeit wird ein Gefahren- und Kampfmittelgutachten für die Heide sein, das die Oberfinanzdirektion Hannover erstellt und das für Anfang des kommenden Jahres erwartet wird. Davon wird auch abhängig gemacht, ob und ggfs. wann Wege zur touristischen Nutzung durch die Heide freigegeben werden.

Die BIMA hat grundsätzlich zugesichert, daß Gelände nicht veräußern zu wollen, sondern es selber zu verwalten bzw. zu bewirtschaften. Diese Zusicherung wird durch den Plan des Haushaltsausschusses erhärtet, die Kyritz-Ruppiner Heide dem Nationalen Naturerbe (NNE) zuzuordnen. Das NNE wurde 2005 durch die Bundesregierung eingerichtet und soll Flächen in einer Größenordnung von 125.000 ha umfassen. Naturschutzverbände bemühen sich z.Z. um eine Erweiterung der Fläche.

Unter den Zielstellungen, die das NNE verfolgt, sind der Erhalt und die Entwicklung sowie die Pflege und die Nutzung wertvoller, geschützter oder gefährdeter Offenökolandsysteme (also hier die Heide) und der Erhalt und die Entwicklung von Naturwäldern von Bedeutung, wobei für letzteres eine jahrzehntelange Umwandlung der Monokultur (Kiefer) in Naturwald notwendig sein wird. Wichtig ist die baldige Entwicklung eines Leitbildes.

Wir begrüßen dieses Vorhaben. Der Weg dahin benötigt jedoch noch einige Klärung in der Hoffnung, daß die Gesamtfläche (125000 ha.) für andere noch erweitert wird, da die Kyritz-Ruppiner-Heide mit 12.000 ha. ein ziemliches Schwergewicht bildet.

Zielformulierung der FREIen HEIDe war: Erhalt der Ursprünglichkeit des Naturraums Kyritz-Ruppiner Heide sowie Förderung der nachhaltigen ökologischen Entwicklung der ehemals militärisch genutzten Landschaft. Die derzeitig absehbare Entwicklung entspricht genau diesen Vorgaben.

Die KAG hat in ihrer letzten Arbeitssitzung das NNE grundsätzlich befürwortet, bedarf allerdings des Votums der Vollversammlung, die noch dieses Jahr tagen soll.

Die Landesregierung reagiert anläßlich der derzeitige Entwicklung ablehnend, würde sie doch gern einen Windpark mit ca. 250 Windrädern (Höhe 150 m) in der Heide sehen, was das NNE jedoch nicht zulassen würde. Die BIMA fände die Zuordnung positiv, würden ihr dann für die Pflege und Bewirtschaftung Gelder aus dem Umweltministerium zustehen.

Im Bundestag erklärte der Bundesumweltminister, daß die Klassifizierung noch weiter debattiert werden muß, da Brandenburg bisher keine Zustimmung sig-nalisiert habe und andere Bundesländer befürchten, daß ihre vorgesehenen Flächen für das NNE gestrichen werden. 

In der nächsten Zeit sind also diverse Abstimmungen und Verständigungen zwischen der Politik, den Ausschüssen, den Gremien und den Verwaltungen vonnöten. Wir hoffen, daß dies zu guten Ergebnissen für den Naturraum Kyritz-Ruppiner Heide führt.

Für das kommende 1. Halbjahr plant die Bürgerinitiative die Erstellung einer Dokumentation rund um die Kyritz-Ruppiner Heide.

Auf wetterfesten Tafeln sollen verschiedene Schwerpunkte bzw. Geschichte und Aspekte des Widerstands in Wort und Bild dargestellt werden, z.B. in Fretzdorf die Osterwanderungen, in Schweinrich die Gründung und Neujahrswanderungen usw. Insgesamt sind zehn Tafeln vorgesehen. Die Staatskanzlei Brandenburg hat uns dafür finanzielle Unterstützung zugesagt.

Wir haben längere Zeit auch nach einer geeigneten Räumlichkeit (insbesondere Rheinsberg) für eine dauerhafte Ausstellung gesucht, aber keine zur Verfügung gestellt bekommen.

Mittlerweile aber fand die Idee der Tafeln auch mehr Zustimmung, da die Bewegung gegen das Bombodrom sich ja auch an vielen Orten manifestierte. Auf jeder Tafel sollen auch die anderen Standorte markiert sein, so daß sich eine Art Rundweg ergeben kann.

Den Herbst haben wir noch genutzt, um etliche der markanten Mahnsäulen in bzw. bei den Ortschaften mit wetterfesten Hinweistafeln zu versehen, um auch hier den Zweck besonders für Touristen zu verdeutlichen.

Ende März/Anfang April 2011 soll das Triptychon von Wolfgang Dicks seinen festen Platz in der Gadower Kirche finden. Dazu laden wir hiermit schon einmal herzlich ein.